Ludwig van Beethoven und Richard Strauss – 4. Abonnementkonzert Wiener Philharmoniker

Im Dezember 2025 fand das 4. Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst statt. Am Programm standen Werke von Ludwig van Beethoven und Richard Strauss:

Ludwig van Beethoven, Ouvertüre Nr. 3 zur Oper Leonore, op. 72, „Leonoren Ouvertüre“
Richard Strauss, Metamorphosen, Studie für 23 Solostreicher, AV 142
Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 5 in c-Moll , op. 67

© Wiener Philharmoniker / Julia Wesely

Franz Welser-Möst zum Konzert (aus dem Programmheft zum 4. Abonnement der Wiener Philharmoniker, Dezember 2025)

Das Programm steht im Zusammenhang mit der Premiere von Fidelio an der Wiener Staatsoper, die am 16. Dezember 2025 stattgefunden hat. In einer Zeit, die von tiefgreifenden politischen, gesellschaftlichen und intellektuellen Umbrüchen geprägt war, komponierte Ludwig van Beethoven zwischen 1803 und 1808 unter anderem seine Dritte Symphonie, Eroica, und seine Fünfte Symphonie. In diesen Jahren entstand auch seine einzige Oper Fidelio. In Auseinandersetzung mit den großen Philosophen seiner Zeit und den Idealen der Französischen Revolution und ihren Schlagworten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit suchte Beethoven nach einer Neudefinition des Menschseins. Zeitlebens beschäftigten ihn Fragen von individueller wie kollektiver Freiheit, von Selbstbestimmung und Formung des Menschen, und vom Bewusstsein für Sinn und Verantwortung in der Kunst. Beethoven war ein Kind seiner Zeit, ein politischer Mensch, aber seine Musik öffnete sich einer noch größeren Dimension: „per aspera ad astra“. Der Prozess des Komponierens war für ihn ein ständiges Ringen. Sowohl die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 als auch die Fünfte Symphonie – und später die Neunte Symphonie mit Schillers Ode an die Freude – sind aus diesem visionären Geist heraus entstanden und basieren auf politisch-philosophischen Ideen.

© Wiener Philharmoniker / Julia Wesely

Um dazu einen Kontrapunkt zu setzen, bin ich auf die Metamorphosen von Richard Strauss gekommen, die er am Ende des Zweiten Weltkriegs komponierte. 1945 baute Strauss eine Brücke zu Beethoven und zitierte darin am Schluss den Trauermarsch aus der Eroica. Es geht hier um eine musikalisch-philosophische Deutung menschlicher Existenz, und – in Anlehnung an Goethe – um eine Definition auch des künstlerischen Daseins als „Metamorphose“. Doch mehr noch als Trauermusik zeigt er darin – gleichsam losgelöst von der realen Welt von damals und ihrem Grauen – einen wehmütigen Rückblick auf eine für ihn untergegangene gedankliche Welt.

© Wiener Philharmoniker / Julia Wesely

Ich glaube, dass es in einem Konzert auch ein rückwärtsgewandtes, reflektiertes Hören gibt. Am Ende des Konzerts können die Zuhörer ein Stück anders begreifen als im Moment des Hörens. Mit diesen zwei deutlich dem Geist der Aufklärung verpflichteten Stücken wie der Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 und der Fünften Beethoven am Anfang und am Ende des Programms kann das Hören der Metamorphosen von Strauss im Nachhinein noch stärker als Abgesang wahrgenommen werden.

© Wiener Philharmoniker / Julia Wesely